30 März 2019 ~ 0 Comments

Einleitung – Ich bin dann mal weg – Ein Jahr down Under

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, so knapp 16.000 Kilometer weit weg von zu Hause – im Land der Kängurus und Buschfeuer- studieren zu wollen. Es ist eine einfache, aber auch blöde Antwort: auf einer Party habe ich einen Studenten aus Ingolstadt getroffen, der mir den Australier vorgespielt hat und ca. 1 Woche vorher aus seinem Austauschsemester zurück kam. Ich hatte eigentlich schon immer den Wunsch mal weit weg von zu Hause ein Abenteuer zu erleben. Erst wollte ich vor dem Abitur 1 Jahr ins Ausland, dann hatte ich mir überlegt meinen Zivi im Ausland oder 1 Jahr work and travel zu machen. Das hat sich alles aber nicht so ergeben (einfach ins ungewisse allein war irgendwie nichts). Und nun hatte ich den Plan während dem Studium ins Ausland zu gehen, dachte da eher an die USA oder so, aber durch meine Partybekanntschaft wollte ich mir nun Australien anschauen. Also schaute ich in den nächsten Tagen an der LMU nach und tatsächlich, in diesem Jahr wurde ein Austauschabkommen nach Australien vereinbart. Also habe ich mich einfach mal spontan beworben, wobei spontan nicht so spontan war. Der erste Schritt war die erforderlichen Unterlagen, also den Sprachtest, Empfehlungsschreiben und Gutachten zu organisieren. 

Der Sprachtest

Wie läuft so ein Sprachtest des DAAD ab? ich habe mir hier wirklich einen Kopf gemacht und war ziemlich aufgeregt, aber es lief  ziemlich gemütlich ab. Meine Prüferin war eine nette „ältere“ Dame englischer Herkunft ,die mich zu ihr in die Wohnung einlud und sich mit mir für eine halbe Stunde einfach über mein Studium und meine Motivation unterhielt. Nach dieser angenehmen Unterhaltung war dieser Schritt abgehakt, ich habe C2 für Verständnis und C1 für Sprechen erhalten. Wenn ich so nach meinem Sprechen nach der Ankunft reflektiere, muss ich sagen, dass diese Einschätzung sehr sehr positiv war. Am Anfang habe ich hier 0 verstanden.

Die Gutachten

Für eine Bewerbung verlangte meine Uni neben den Transkription und dem Sprachtest auch noch Gutachten von mindestens zwei Professoren. Dazu habe ich dann einfach die Lehrstühle, an denen ich bereits als Tutor gearbeitet hatte, abgeklappert und sie von meinem Vorhaben überzeugt. Es verlief auch hier sehr angenehm und ich erhielt durch meine Professoren sehr gute mehrseitige Gutachten (wobei jeder meinte, dass ich die doch selbst verfassen sollte und sie diese dann gegenlesen).

Das Motivationsschreiben

Als letzte Formalie stand nun nur noch das Motivationsschreiben zwischen mir und der Bewerbung. Hier habe ich mein Ehrenamt und meine Vorstellungen über das spätere Lehrerdasein einfließen lassen. Auf deutsch war das auch alles easy runtergeschrieben. Auf Englisch war es nun nicht ganz so einfach diese DinA4 Seite zu übersetzen. Schöne deutsche Grammatik mit Nebensätzen, schön verschachtelt und etwas komplexer formuliert. Selbst mit einem englischen Muttersprachler war eine eins zu eins Übersetzung nicht ganz so einfach und zog sich für die vereinfachte Form über mehrere Stunden. Aber auch das hatte ich irgendwann hinter mich gebracht.

Die Bewerbung

Nun war es endlich Zeit die Bewerbung abzuschicken, gerade noch rechtzeitig vor Bewerbungsschluss. Hier drängte mich die Uni auf Grund einer Priorisierung von Ganzjahresstudenten, mich für ein ganzes Jahr nach Australien zu bewerben – das auch als einfache Antwort, warum ich ein ganzes Jahr down under verbringe.

Nach circa einem Monat bekam ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Ich war absolut aus dem Häuschen, als ich die E-Mail bekam. Natürlich habe ich mich bei der Vorstellung in der Adresse getäuscht und bin dann 500 Meter bis zur korrekten Adresse gerannt um noch rechtzeitig zu kommen. Das Gespräch an sich war angenehm auf englisch, ging um meine Motivation und was ich so ehrenamtlich mache. Zum Abschluss des Gesprächs ging es um Erste Hilfe, wie man korrekt reanimiert und wie ich mir die Zukunft des Unterrichtens vorstelle. Nach knapp einer halben Stunde war auch dieser Pflichttermin „abgesessen“ und nun hieß es warten bis alle Interviews durch waren. Schließlich dauerte es noch knapp eine Woche bis ich während der Arbeit die E-Mail mit der Zusage erhielt. Zu dem Moment bin ich einfach vor Freude ausgeflippt und habe gejubelt. Nun war es Zeit für noch mehr Bürokratie und Kulturtraining, welches bei uns im Stipendium enthalten war.

Kurswahl, Training und Wohnung

Der nächste Schritt meiner geliebten Bürokratie war die Auswahl der Kurse, die ich an der University of Sydney belegen wollte (in Australien müssen Kurse fest gebucht werden), die Beantragung des Visums, die Krankenversicherung, Unterkunftssuche und die Pflichtseminare zur Vorbereitung auf die Kultur. 

Die Wahl meiner Kurse, die Besprechung mit dem Prüfungsamt, ob und wie Vorlesungen angerechnet werden können und das Durchsuchen der Kursliste zog sich über die nächsten Wochen mit dem Resultat, dass das Prüfungsamt mir im Voraus keine Zusagen gibt, in Australien die meisten Vorlesungen andere Namen wie in Deutschland haben und  der Austausch für meine Uni sowieso als Sabattjahr gilt -ich also beurlaubt bin. Irgendwie habe ich dann doch eine Liste mit möglicherweise anrechenbaren Kursen zusammengestellt, so dass zusammen mit meiner Bewerbung für die Uni, die Kursliste alle Unterlagen nach Australien geschickt werden konnten. Nach einer Weile kam dann via E-Mail meine Annahmebestätigung an der USYD und die Aufforderung mich online einzuschreiben. Dabei wurden meine Daten für die Visumsbestätigung und die Krankenversicherung abgefragt. Bei der Krankenversicherung lief es aber anders als erwartet, da ich eigentlich über deutsche Versicherer die Absicherung machen wollte. Für das Visum sind lediglich 5 Versicherer laut der USYD zugelassen, aber man bot mir an ,dies doch gleich für mich zu erledigen (für nur 550$). Schon kurz nach der Zahlung erhielt ich auch meinen Bestätigungscode, um das Visum zu beantragen.

Über das Visum habe ich im Voraus schon schlimme Geschichten gehört, dass es ewig dauern würde, man es unbedingt weit im Voraus beantragen sollte, etc. Also haben Bernhard, der andere Austauschstudent für die USYD,  und ich uns abends im Computerraum getroffen und und haben das Visum online beantragt. Das Herausfinden der korrekten Visumklasse war das größte Problem, danach dauerte es nach Absenden des Formulars nur knapp 5 Minuten, bis ich mein Visum hatte.

Nun war der letzte große Schritt noch die Suche nach einer Behausung. Da die Uni meinte, dass sie hierbei nicht helfen kann und dass man sich selbst darum kümmern muss, habe ich mir für 2 Wochen ein Bett im Viererzimmer im Hostel in der Innenstadt in Sydney gemietet. Dann habe ich mich bei einer Reihe privater Wohnheime beworben und war erstmal von den Kosten erschlagen. Zuerst wurde eine Bewerbungsgebühr fällig, um überhaupt aufgenommen werden zu können. Ich hatte mich entschieden, mein Glück bei Unilodge und beim Sydney University Village zu versuchen (allein das  Bewerben hat mich über 100€ Gebühren gekostet). Nach einigen Wochen bekam ich dann die Zusage des University Villages, nicht aber wie ich es gewünscht hatte in einer WG sondern in einem Studioappartment, also WC+Dusche, Kühlschrank und ein großes Bett zu einer Miete von etwas mehr als 350$ in der Woche. Bernhard hatte sich dafür entschieden sich in einem Zimmer einzumieten. Er lebte dafür aber auch für knapp einen Monat im Hostel bis er endlich eine Wohnung fand. Diese Lösung war deutlich günstiger (250$ Miete ca.), aber dafür  hatte ich eine Rezeption und meine Post ging nicht verloren wie bei ihm.

Das Kulturtraining, das insgesamt ca. einen Tag dauerte, warnte uns vor, dass in Australien die Uhren anders ticken, die Menschen gemütlicher sind, man nicht auf die Minute genau ist und der Umgang sehr viel lockerer sein wird. Im zweiten Teil der Vorbereitung wurden wir gewarnt, dass es nicht immer Sonnenschein sein wird, sondern dass es in so einem Auslandsaufenthalt viele Höhen und Tiefen geben wird, dass man auch mal unglücklich sein wird. 

Abschied und Abflug

Während all den Vorbereitungen verging die Zeit wie im Flug und es wurde daher auch langsam Zeit sich von Freunden und Familie zu verabschieden. Gemeinsam haben Freunde und Familie noch ein paar schöne Stunden verbracht. Vor lauter „es geht bald los“, habe ich meinen Koffer erst am 14.2. also am Tag vor dem Abflug gepackt, ein großer Koffer und ein Rucksack sowie meinen Trolly fürs Handgepäck. Am Ende über 30 Kilo, aber Emirates haben mir genug Freigepäck erlaubt.

Am 15. Februar war es nun soweit, der Abflug nach Australien war soweit. Deutschland hat mir mit Schneefall, Kälte und Eis den Abschied nicht schwer gemacht. Nicht schwer bis auf zwei Stunden Verspätung, da die Startbahnen für die Enteisung gesperrt waren. Diese zwei Stunden Verspätung nahmen wir dann auch mit nach Dubai zu unserem ersten Zwischenstopp, an dem wir den Flieger wechseln mussten. Am Gate wurden wir von einer Emirates-Mitarbeitern abgeholt und im Laufschritt zu unserem Gate am anderen Ende des Flughafens gebracht. Wir schafften es pünktlich an unserem Flieger zu sein – mein Gepäck, wie ich in Australien bemerkte, jedoch nicht.


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