21 Dezember 2013 ~ 0 Comments

28.11.13 Fahren mit der Bimmelbahn

5:49 – Verdammt, es ist schon wieder so früh!, kurz ins Bad, Essen aus dem Kühlschrank holen, Aushecken und auf zum Bahnhof. Pünktlich um fünf Minuten vor halb sieben ist mein Gepäck eingecheckt und ich bin auf dem mir zugewiesenen Sitzplatz. Ein gigantischer Zug, und mit über 60 Jahren alter auch die Oma auf dem Schienennetz in Queensland. Die Sitze sind gemütlich und bieten mehr als Doppelt so viel Beinfreiheit wie die in deutschen Zügen. Selbst eine Dusche ist verfügbar. Der Zug und das Reisetempo sind gut zur australischen Mentalität passend. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von etwas über 65 km/h bummeln wir durch die Natur, haben Zeit und Möglichkeit uns an dieser Zu erfreuen und sie auch wahrzunehmen. Neben ein Paar wenigen Straßen oder Feldwegen und  kleinen Farmen verläuft unsere Reise mitten durchs Grün.

Nach nun fünf Stunden fahrt bin ich immer noch der Meinung, dass der Zug super entspannend und angenehm ist. Ich habe nun auch die Benachrichtigung bekommen, dass meine Strecke die vorgestern nicht buchbar nun buchbar ist. Mal schauen ob ich mein Busticket umtauschen oder zurückgeben kann. Das Pärchen das vor mir sitzt führt anscheinend seit vier stunden vertiefte Ehedisskusionen. Ich habe jedenfalls noch nie so oft in einem Satz die Worte „fuck“ oder „shit“ gehört. Unser Zug macht auf der Strecke auch regelmäßig Raucherpausen in denen sich die Passagiere die Beine vertreten können.

Kurz vor der Ankunft habe ich nun auch die technischen Daten unseres Zuges erfahren – Knapp 240 statt sonst 320 Meter lang mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, wobei die Strecke hierfür nicht zugelassen ist. Nach dem Ausstieg schnell das Gepäck am Schalter abgeholt und dann hieß es zum Fähren-Terminal laufen (knapp 2km). Townsville ist eine verschlafene kleine Provinzstadt, die neben den üblichen Bars und Geschäften, wie es auch Wikipedia versprach, nicht viele Besonderheiten bereithält. Am Fähren-Terminal traf ich mich dann wieder mit Carla, die auch in Sydney studiert hat und wir fuhren gemeinsam auf die Insel, wo sich unsere Wege wieder trennten.

Magnetic Island, Gerüchten zufolge so genannt weil es Kompasse ablenkt, ist eine absolut naturlastige Insel die viele Möglichkeiten bietet sie auf verschiedenen Wanderwegen zu erkunden. Mein Hostel, in dem ich die Nacht verbrachte, Base Magnetic Island, besteht aus kleinen Hütten für je acht Personen und einer zentralen Wasch- und Kochstelle. Dazu ein schöner Pool und ein eigener Strandabschnitt, von dessen Benutzung auf Grund der Quallensaisong jedoch abgeraten wurde. Am Abend habe ich noch weitere Deutsche und auch ein paar Possums getroffen. Wie sich später herausstelle haben die beiden deutschen den Fallschirm, der wegen Versagen am Tag meines Fallschirmsprungs abgeworfen wurde vorbeifliegen gesehen als sie an der Bushaltestelle standen.

 

Grundstruktur

Die erste Eisenbahnlinie in Queensland wurde am 25. April 1865 von Ipswich nach Grandchester eröffnet und 1876 nach Brisbane verlängert. In der Folge entstanden eine Reihen von Stichbahnen von zum Teil erheblicher Länge, die von Häfen an der Küste das Hinterland erschlossen. Ab 1867 verkehrte die Bahn von Rockhampton, ab 1882 von Townsville westwärts. Ökonomische Grundüberlegung war, den von Viehzucht lebenden Kommunen des Hinterlandes Zugang zu Seehäfen zu verschaffen. Erst später wurden die Bahnen durch eine parallel zu Küste verlaufende Bahn verbunden. Die letzte der Stichbahnen wurde erst 1903 an das Netz angeschlossen, das so seine kammförmige Struktur erhielt: eine Hauptstrecke an der Küste von Brisbane aus nach Norden, mit nach Westen abzweigenden Stichstrecken. Heute ist das Schmalspurnetz in Queensland eines der größten weltweit.

Spurweite

Vor dem Zusammenschluss der Kolonien zum Australischen Bundesstaat im Jahr 1901 waren diese rechtlich voneinander unabhängig und die Entscheidung über die Spurweite, in der die jeweilige Eisenbahn errichtet werden sollte, Angelegenheit der einzelnen Kolonie. In Queensland, das dünner besiedelt und wirtschaftlich schwächer als die südlicher gelegenen Kolonien war, fiel die Entscheidung zugunsten der Kapspur. Diese war im Bau billiger und erlaubte geringere Kurvenradien. Mit knapper Mehrheit entschied sich das Parlament von Queensland 1863 für diese technische Lösung. Dabei ging man damals davon aus, dass die Höchstgeschwindigkeit etwa bei 30 km/h liegen würde und dieses System sicher für die nächsten 100 Jahre ausreiche.

Die großen technischen Schwierigkeiten, die sich aus dem Überschreiten der Great Dividing Range durch eine Bahnstrecke ergaben, wurden schnell gemeistert. Schon 1867 verkehrten die Züge bisToowoomba. Hier kam den Arbeiten an der Strecke auch eine Einwanderungswelle zugute, die die Baustellen der Bahn mit ausreichend Arbeitskräften versorgte.

An der südlichen Grenze des Staates stieß die Bahn allerdings ab 1888 im Spurwechselbahnhof Wallangarra auf das normalspurige Streckennetz von New South Wales, wo Reisende umsteigen und Güter umgeladen werden mussten. Die heute genutzte, kürzere und bis Brisbane komplett normalspurige Strecke gibt es seit 1930. Deren Eisenbahninfrastruktur gehörte dem Staat Queensland, während den Betrieb die Eisenbahn in New South Wales durchführte. Der Güterverkehr auf dieser Strecke ging 1994 auf die National Rail Cooperation über, den heute Pacific National durchführt. Den Personenverkehr bietet heute CountryLink an.

Ausbau

Eine Elektrifizierung der Strecken in Queensland erfolgt erst ab dem Ende der 1970er Jahre. Die S-Bahn von Brisbane wurde 1979 elektrifiziert und 1986 begann der elektrische Zugbetrieb für Kohletransporte in Central Queensland. Die Strecke von Brisbane nach Rockhampton wurde 1989 elektrifiziert.

2001 ging die Verbindung von Brisbane zu dessen Flughafen in Betrieb. Diese Verbindung, „Airtrain“ genannt, wurde in einem Betreibermodell errichtet, das vorsieht, dass der private Bauherr und Betreiber der Strecke diese nach 35 Jahren Betrieb an den Staat übertragen muss. Dies ist somit eine der wenigen Strecken in Queensland, auf denen Private Eisenbahnverkehrsleistungen für Dritte auf eigener Strecke anbieten

 

Der Fernverkehr wird von Traveltrain, einer Untergliederung von QR Limited, angeboten. Das touristische Segment im Verkehrsaufkommen ist hoch. Im Einzelnen handelt es sich um:

  • Neigezüge („QR Tilt Train“). Ein Zug dieser Bauart stellt 1999 mit 210 km/h den australischen Geschwindigkeitsrekord für Züge auf. Diese Züge gibt es seit 1998:
    • Elektrotriebwagen in der Verbindung Brisbane–Rockhampton
    • Dieseltriebwagen in der Verbindung Brisbane–Cairns
  • Zwischen Sydney und Brisbane verkehrt der Brisbane Limited auf Normalspur, ein Angebot von CountryLink.
  • The Sunlander, ein herkömmlich lokomotivbespannter Zug, verkehrt in der Verbindung Brisbane–Cairns
  • The Spirit of the Outback, Brisbane–Longreach
  • The Inlander, in der Verbindung Townsville–Mount Isa, wird seit dem 12. Februar 1953 angeboten.
  • The Westlander: Brisbane–Charleville

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