07 April 2013 ~ 0 Comments

Ratrace vs snake race

Vor einigen Tagen (3 Wochen fast) habe ich mir diesen bei einem Gespräch ausgesucht. Ratrace ist ein australischer Begriff für den Versuch mit allen Mitteln im Wettkampf immer die Oberhand zu behalten. Ich möchte in meinem Beitrag zum Blogtitel zum einen Kulturen, zum anderen Auffassungen vergleichen.

Das Stereotyp des Deutschen lautet: Er ist effektiv, vorausschauend, durchdacht, taktil, direkt, und wohl durchdacht.
Das des Australiers, das wir in Deutschland mitbekommen: Er ist entspannt, mag keine festen Termine, lässt alles auf sich zukommen und denkt heute nicht an morgen.

Um zuerst auf die Kulturen einzugehen:
Erst in Australien wurde mir klar, wie deutsch ich doch bin, auch wenn ich in meiner Auffassung nicht der typische deutsche bin. Ich hasse perfekte Ordnung, perfekte Planung und neige zu einem gewissen Freiheitsdrang. Doch alleine mit anderen zum Strand zu gehen zeigt, wie deutsch ich doch bin, denn der typische Deutsche ist wohl vorbereitet auf einen Tag am Strand. Man hat etwas zu trinken, zu essen und zu lesen dabei, nicht zu vergessen die Sonnencreme. Als ich so mein Handtuch ausbreitete schauten die anderen irritiert, was ich so alles dabei hatte. Spätestens ab meinen zwei Äpfeln war allen klar, “du bist typisch deutsch und auf alles vorbereitet! Kann ich etwas Sonnencreme haben?”.

Das Stereotyp des Australiers sagt aus, dass er sich um keine Vereinbarungen schert und nichts über seine Entspannung kommen lässt. Aber wie habe ich dies nun nach knapp zwei Monaten erfahren? Australien ist ein durchmischtes Land voller verschiedener Kulturen, aber doch haben alle eines gemeinsam. Die (OBERFLÄCHLICHE) Freundlichkeit, die alles umspannt. Es gibt zu jedem Zeitpunkt den Moment um ein Bier trinken zu gehen, ob um 12 Uhr Mittag oder um Mitternacht. Genauso verhält es sich mit der Entspanntheit im öffentlichen Nahverkehr. Der Deutsche ist Pünktlichkeit auf Schritt und Tritt gewöhnt und regt sich auf, wenn der Bus eine Minute zu spät ist. Man hat in Australien schon so manches deutsches Rumpelstilzchen gesehen, das sich aufregte weil ein Bus nicht kam, aber in Sydney, sowie in Melbourne (ich schließe auf ganz Australien) ist es üblich nicht auf den Fahrplan zu schauen, es bringt ja eh nichts. Der Bus ist da, wenn er da ist und ob man reinkommt entscheidet der Fahrer.
Wie kann man nun diese innere Ruhe mit einem souveränen Staat kombinieren? Ganz einfach, ich habe in Europa noch keinen Staat mit so scharfen Strafen und Kontrollen gesehen wie in Australien. Das in Deutschland unterdessen übliche Komasaufen kostet in Australien über 5000$ Bußgeld (NSW), auf Wunsch des Besitzers nicht unverzüglich die Bar räumen geht mit mehr als 500$ zu Buche und so ziehen sich die Strafen durch die Gesellschaft. In Australien darf jeder auf seinem Grundstück Strafen festlegen. So hängen alle paar Meter Verbotsschilder die auf wirklich drastische Strafen hinweisen.
Dennoch habe ich bisher kein Volk getroffen, dass so offen (und oberflächlich) auf andere zugeht oder mit dem eigenen Körper umgeht. In Australien ist es unterdessen hipster nicht tätowiert oder gepierct zu sein, da anscheinend die Mehrheit sich den Traum der Selbstverwirklichung erfüllt. Für mich ist es doch etwas verstörend zu sehen wie viele sich hier im alter von 16 aufwärts piercen oder tätowieren lassen haben. Man sieht echt viele”modifizierte/individualisierte” Menschen.

 

Nun gut, was meinte ich mit Auffassungen? Aus meiner Sicht sind die deutschen durchdacht um ihre Ziele zu erreichen, einen möglichst langen Zeitraum des Lebens nahe am Glück zu verbringen, währen die Australier einen möglichst langen Zeitraum im Glück verbringen bevor sie sich ihren Zielen widmen. Verrückte Welt, oder? Mein Resümee ist jedoch, dass egal woher wir stammen jeder von uns keinen Schaden daran nimmt einfach einmal die Augen zu schließen und in sich zu hören, was einem das Innere sagt. Wenn man ein Problem mit der Stille (so wie ich) hat empfehle ich diese Art der Musik, bei der ich sehr gut abschalten und in mich gehen (meditieren) kann.

 

Was ist aus meiner Sicht der perfekte Weg?
Es gibt ihn nicht! Jeder muss für sich den Pfad finden, der ihm am besten liegt, ob er sich im Kreis dreht, oder an vielen Rastplätzen entlang führt. Das Wichtigste ist sich selbst zu vertrauen und dies im Gegenzug auch anderen gegenüber zu tun:

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Zum Abschluss stelle ich einfach die offene Frage aus meinem Titel:
Muss das Leben ein listiges Rennen voller Ratten sein, die alles versuchen zuerst am Käse zu sein, oder darf ein Leben auch erfüllt und ruhig sein, wie es das Leben einer Schnecke ist?

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