10 März 2013 ~ 3 Comments

Mein größter Fehler

Ich wurde neulich gefragt, was ich als meinen größten Fehler ansehe. Ich sehe meinen größten Fehler als etwas, das mir während meiner Ausbildung zum Rettungssanitäter im Krankenhaus in Fdb passiert ist. Ich hätte Leid lindern können und habe es unterlassen…

Ich habe im Krankenhaus am Anfang in der Notaufnahme gearbeitet, dort wurde eine ältere Dame (Omi) wegen einem Herzinfarkt oder Schlaganfall eingeliefert. Ihr Ehemann, ein lieber alter Opi hat sie begleitet und hat dann in der Notaufnahme (bad luck) einen Schlaganfall erlitten. Sein Sprachzentrum war durch den Schlaganfall massiv geschädigt, so dass er zwar verstehen aber sich nicht äußern konnte. Durch diese Ohnmacht ist er ausgerastet und wurde mit Gewalt im Bett fixiert und sozusagen zwangseingewiesen. Ich habe mir damals nichts dabei gedacht, es war ja meine erste Woche.
Später war ich dann für die Pflege auf der Intensivstation eingeteilt. Die Pfleger haben ihn dort nicht gemocht und angeschrien und immer fixiert. Als ich den Mann rasieren sollte war er bei mir ganz friedlich und ruhig. Man musste zu ihm nur ruhig und freundlich sein und er war lieb, konnte zwar nicht reden, aber war ruhig. Als der Richter für die Verlängerung der Anordnung der Fixierung da war habe ich, als der Opa mich hilfesuchend angeschaut hat, damit ich ihm helfe, nichts unternommen und der Oberpfleger hat den Richter dazu gebracht die Anordnung der Fixierung zu verlängern.

Das hatte mich damals so mitgenommen, dass ich das erste mal in meinem Leben zu meinem Pfarrer zum reden gegangen bin und ich bereue es noch immer, dass ich nichts unternommen hatte.

3 Responses to “Mein größter Fehler”

  1. Anita 28 März 2013 at 15:08 Permalink

    eine wirkliche Kleinigkeit, die mich verfolgt: ich stand an der Kasse, eine wirklich alte Frau hatte mühsam eingekauft und sich ein Eis “Schwarzwälderkirsch” gekauft….alles sah mühsam bei ihr aus…und sagte dann: mein Sohn holt die Einkäufe ab….die Verkäuferin steckte alles in eine Tasche und fertig…und ich hatte genau gesehen, dass das Eis bei der Temperatur das nicht überleben kann (es war Sommer)….und die alte Dame muss sich riesig genau darauf gefreut haben…(alles sah so liebevoll eingekauft aus)….ich habe weder gesagt: packen Sie das Eis doch bitte besser ein, noch der alten Damen angeboten: ich fahre sie schnell nach Hause…das konnte nicht weit gewesen sein……- einen Kilometer weiter wollte ich zurück und bin trotzdem nicht zurück….aber für mich war das der Auslöser,danach jedes Mal meine Hilfe anzubieten, wenn ich meine, jemand könnte diese Hilfe benötigen und das war jetzt schon manchesmal gar nicht so schlecht….das Ganze ist übrigens schon 20 Jahre her und ich habe – so winzig diese verpasste Gelegenheit war- immer mal wieder einen Flash back….
    …vielleicht benötigen wir Menschen aber genau solche Momente, um aufzuwachen ?!

    • Christian Kazuya 28 März 2013 at 15:17 Permalink

      Hallo Anita (Mutti),
      ich kann mir das Geschehen wie du es schilderst deutlich vorstellen und es schildert alle Simultten der menschlichen Psyche in sich. Der Mensch ist von Haus aus kein Rudeltier, das sich um andere kümmert, aber er lernt und mit zunehmendem Alter macht jeder Mensch die Erfahrungen die ihn veranlassen menschen zu helfen.
      Ich für meinen Teil mache definitiv nicht für jeden einen Sitz im Bs frei oder geleite alte Omis über die Straßen.

      Eine wirklich wichtige Sache (keine Ahnung wer so die Bayern 2 Wissensthek anhört) sind Wertschätzung und Respekt. Wenn man Menschen gegenüber höflich ist kann man sie am meisten verletzen. Man sollte in seinem Handeln immer auf einen Gegenseitigen Respekt achten….

      (mein Fall… Für eine FETTE SCHRULLE MIT BEHINDERTENAUSWEIS die mich anschreit mache ich keine 3 Sitze in der Straßenbahn frei… Sie hatte ihren Sitzplatz, ich hätte meinen gehabt…Nach dem Rat zu diversen Ärzten hatte ihr Fett weitere 2 Sitzplätze…

  2. Anonym 30 März 2013 at 16:27 Permalink

    Ich habe mich nicht von meinem Bruder verabschiedet als er gestorben ist, obwohl er nach mir gefragt hatte.
    Dies war und ist bis heute definitiv der größte Fehler meines Lebens und ich würde alles dafür geben, die Zeit zurückdrehen zu können.


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