29 September 2012 ~ 3 Comments

“Steck mich in eine Schublade und ich zerschlag den Schrank!”

Die Überschrift zu diesem Artikel stammt von einem Piraten (@Donnerbeutel) aus der Rheinland-Pfalz und beschreibt den Inhalt meines Artikels auch sehr gut. Der Mensch hat in der Vergangenheit gelernt alles in Schubladen zu stecken um Situationen einfacher und schneller verarbeiten zu können. Dennoch ist der Umgang mit den Schubladen erlernt und hier möchte ich einhaken. Warum sieht man einen Türken und denkt sich sofort, dass der einen zusammenschlagen wird, sieht Personen die anders aussehen und distanziert sich sofort?

Ja, es ist der erste Gedanke. Man kann ihn sicher auch nicht immer komplett unterdrücken, aber nach dem ersten Impuls hängt es an uns selbst. Die Schubladen geben uns eine Richtung vor, aber wir sind nicht mehr in einer Zeit in der man auf derartige Impulse sehr angewiesen ist. In unserer Zeit muss man nicht mehr nach dem Schema “Tier -> große Zähne -> Krallen => will mich fressen => lauf weg!” arbeiten. Wir können oft noch gesund über unsere Handlungen nachdenken. Daher muss aus meiner Sicht jeder von uns nachdenken, was er macht, wenn er einen Menschen sieht. Hierfür habe ich auch zwei schöne Geschichten. Ich weiß nicht wer von euch Serdar Somuncu kennt. Er ist ein in Deutschland (aufgewachsener?) und lebender Türke, sry, Deutscher^^, der fließend Deutsch, Türkisch und Assi reden kann. Berühmt ist Serdar für seine Hassreden, er zeigt in seinen Programmen wirklich auf wie man ständig mit Vorurteilen umgeben ist. Für mich echt cool ist, dass im Programm verschiedene Dialekte und Sprachen vorkommen, dass man im Programm meint, dass man den größten Assi vor sich hat, aber nach dem Programm bei den Autogrammen kommen alle Fassaden zum Tragen. Serdar hat wirklich den Ersten mit “Jo Alda, was geht Checka”, den Zweiten auf Türkisch und die anderen mit verschiedenen Dialekten begrüßt. Als er damit fertig war hat er sich zum mir (ich war Fotograf) gedreht und wirklich akzentfrei gefragt “Entschuldigen Sie bitte, wo werden die Bilder Publiziert?”. Mir ist da erstmal die Kinnlade runtergefallen, weil ich nie mit einem derartigem Hochdeutsch gerechnet hätte. Tja, man wird eines Besseren belehrt 🙂
(http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2011/hassbanken/)

 

Das andere schöne Beispiel ist eine Kampagne gegen Vorurteile. Wir sehen einen Menschen und haben sofort eine Bild von ihm. Ein am ganzen Körper vernarbter Mensch ist für uns abartig, wenn man aber weiß, dass er sein Leben riskiert hat um kinder aus einem brennenden Haus zu retten ist es anders. Sieht man einen Jungen man mit Glatze ist er doch sofort ein Nazi und abartig, wenn man überlegt dass dieser gerade den Krebs mit seiner Chemotherapie besiegt hat, was dann?

 

Auf die Politik übertragen:
Einbürgerungstests? Staatsbürgerkunde? WTF! Ich kenne gebürtige Deutsche, die weniger deutsch können als so mancher Immigrant. Es gibt viele die gerne hier leben würden, die sich in das Land als Bürger einbringen wollen, aber denen legt man Steine in den weg.
Auch das Vorgehen gegen vorurteilsbedingte Diskriminierung, die Aufklärung, die Förderung von anderem Denken ist aus meiner Sicht zu fördern. Es gibt schon jetzt Kindergärten, in denen viele Kulturen, behinderte und nicht behinderte Kinder sind. Wir müssen von klein auf Anfangen das Denken als Mensch zu fördern.

Hier würde ich mich dann über Kommentare von euch sehr freuen!

3 Responses to ““Steck mich in eine Schublade und ich zerschlag den Schrank!””

  1. Flo 19 Januar 2013 at 21:15 Permalink

    Halli hallo 🙂
    Das Einstiegszitat find ich klasse. Es sagt etwas aus und damit wird Stellung bezogen. Das Schlimmste daran ist allerdings – es ist wahr. Die Menschen denen man am wenigsten zutraut, sind doch immer wieder die, die einen am meisten überraschen. Schon Wilhelm Busch hat mal gesagt: “Stets findet Überraschung statt, wo man sie nicht erwartet hat”. Doch das man (ich muss ganz ehrlich sagen, ich ertappe mich auch immer wieder dabei) sein Handeln an Vorurteilen festmacht und sein Gegenüber durch Oberflächlichkeit meint, richtig einschätzen zu können, ist wohl eine der größten Schwächen vieler. Eine gesunde Skepsis gegenüber Fremdem und Neuem ist sicherlich nicht falsch, doch lassen wir uns dadurch doch viel zu oft in eine Richtung lenken, von der wir meinen, dass sie uns doch eigentlich überhaupt nicht entspricht. Wie sagt man so schön, ‘wer nicht hören will – muss eben fühlen’. Und so zeigt uns das Leben oftmals schließlich doch, wie falsch wir eigentlich lagen und dass wir es doch viel zu oft selbst sind, die sich die Probleme im Umgang mit anderen machen. Dazu passen auch deine Beispiele.
    Mit der Übertragung auf die Politik stimme ich allerdings nicht gänzlich überein. “Ich kenne gebürtige Deutsche, die weniger deutsch können als so mancher Immigrant.” – Das stimmt, doch gibt es auch mehr als genug Immigranten die in Deutschland leben, ohne auch nur ein Wort deutsch zu sprechen und ohne auch nur ansatzweise sozial integriert zu sein. Leider sind es viel zu oft die Ausnahmen, die von den Medien und damit von den Menschen aufgegriffen werden, um so den Eindruck zu erwecken, Maßnahmen würden den eigentlichen Zweck verfehlen. Du sagst Einbürgerungstests würden Immigranten Steine in den Weg legen, doch muss ich ehrlich sagen, wer wirklich interressiert ist, zukünftig in Deutschland leben zu wollen, wird an dieser Hürde wohl kaum scheitern. Sin und Zweck dieses Tests liegt doch viel mehr darin, Menschen in die grundsätzliche Ordnung Deutschlands einzuführen, um sie nicht ins kalte Wasser zu werfen und zu überfordern. Ziel ist es Grundvoraussetzungen zu schaffen, um zu garantieren, dass Immigranten nicht sozial ausgegrenzt werden. Weiterhin finde ich es ist nicht zu viel verlangt, einige politische, soziale und kulturelle Grundlagen über ein Land zu kennen, in dem man für unbestimmte Zeit leben will. Außerdem redest du von Staatsbürgerkunde. Zum einen wird dieses Fach seit über 20 Jahren nicht mehr unterrichtet und zum anderen sind die Inhalte dieses Faches mit heutigen Unterrichtsfächern vergleichbar. In Staatsbürgerkunde haben Schülerinnen und Schüler etwas über das in ihrem Land vorherrschende politische und wirtschaftliche System gelernt. Wenn man mich fragt unterscheidet sich das kaum vom heutigen Sozialkunde- bzw. Wirtschaftsunterricht. Sicher heute werden auch ausländische Konzepte mehr in den Vordergrung gerufen und behandelt, doch muss man auch beachten, dass heute viel globaler gedacht wird, als noch vor 20 oder 25 Jahren. Somit habe ich den Eindruck, der Staat versucht nicht nur sein System zu verdeutlichen, sondern bemüht sich weiterhin auch andere Systeme darzustellen. Die Tatsache, dass einige Menschen solche Mittel und Möglichkeiten nicht annehmen und somit so wie ich das verstanden habe ‘weniger deutsch können als so mancher Immigrant’ ist zwar wahr, aber wie schonmal gesagt eine Ausnahme. In deinem letzten Punkt hingegen gebe ich dir wieder vollkommen recht. Zwar wird schon einiges getan um soziale Ungerechtigkeiten zu beheben, doch kann immer mehr getan werden.
    So das wärs erstmal. 🙂 Ich möchte nochmal sagen, dass ich keinesfalls vorhatte deine Meinung in irgend einer Weise anzugreifen. Mein Ziel ist es ledigtlich noch eine andere Sichtweise zu geben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Flo

    • Christian Kazuya 20 Januar 2013 at 15:21 Permalink

      Hey
      Ein kritischer Kommentar freut mich. Ich behaupte ja nicht, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hab und nur meine Meinung richtig ist. Staatsbürgerkunde sollte jetzt nicht an früher erinnern, es gibt nur meines Wissens ein Prüfungsthema für Beamten dass so heißt
      Ich hoffe dass wir mit dem Land vorwärts kommen:)

  2. Christian 8 März 2013 at 01:02 Permalink

    Update zu donnerbeutel
    Der Spruch ist supi
    “Wenn dich jemand als Schwuchtel beschimpft sieh ihn an, lächle und sage: eine Hirnzelle weniger und du wärst ne Pflanze.”


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