17 August 2012 ~ 0 Comments

Anker werfen und volle Kraft zurück …

… oder der Weg in die Selbstständigkeit und wieder Zurück.

Das erste Semester des Informatikstudiums an meiner Universität beginnt und schnell lernt man Gleichgesinnte kennen. Andere Studierende, die auch nebenbei Webhosting als Kleingewerbe betreiben. Uns alle stört es, dass man als Selbstständiger die uneingeschränkte Haftung mit dem Privatvermögen hat und sich durch einen Serverausfall ggf. seine Zukunft auf Jahre hinweg verbaut. So kommt man im Gespräch auf die Einführung der Mini-GmbH, oder auch der 1-Euro GmbH, der sogenannten Unternehmnergesellschaft. 1€ pro Gesellschafter als Haftungssumme klingt doch echt toll. Zumindest dachten wir uns das damals. Die kommenden Tage verbrachten wir damit Quellen zu suchen und mit Steuerberater und Notar zu reden – aber die Idee war geboren! Wir machen gemeinsam eine Mini-GmbH. Weder Notar noch Steuerberater haben uns dabei gesagt, was hier auf uns zukommt.

Neben den Sonnenseiten der begrenzen Haftung gibt es auch noch, wie sollte es anders sein die Kehrseite der Medallie. In Deutschland, der Heimat der Bürokratie, gibt es viele Regeln, die man oft erst bemerkt, wenn man dagegen verstößt. Uns war klar, dass wir eine vollständige Buchführung betreiben mussten, dafür gibt es ja kostengünstige Software und so haben wir das alles mit Lexware Büro easy gemacht (leider nur singleplatztauglich). Für unsere Rechnungserstellung haben wir uns, wie es sich für Informatiker gehört ein eigeners Servertool geschrieben, das diese lästige Arbeit für uns übernimmt. Für eine geringe Anzahl an Kunden und Verträgen ist so ein in Crashentwicklung enstandenes Programm auch super, aber wenn man mal über 500 Veträge hat und auf die Schnittstellen seiner Anbieter zugreifen muss wird es doch haarig. Aber hierauf möchte ich hier nicht weiter eigehen. Welche Auflagen hat eine UG noch neben der Buchführung? Man muss einen Jahresabschluss machen, muss brav seine Umsatzsteuervoranmeldungen jeden Monat beim Finanzamt abgeben (wenn man UST ausweißt) und: Man muss seinen Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichen! Leider erfährt man von dieser Pflicht oft nur durch einen freundlichen Brief des Bundesamtes für Justiz. Man solle doch bitte seiner Pflicht nachkommen, da es sonst sehr teuer würde.

Ein weiterer Schatten, für mich eher ein schwarzes Loch ist die Abhängigkeit von seinem Partner. Baut mein ein Unternehmen mit 50:50 auf, so kann man nie alleine Entscheidungen treffen. Aber was macht man nun, wenn man den anderen nicht mehr erreicht oder sich zerstreitet. Die Firma ist dadurch Handlungsunfähig, wenn man im Gesellschaftervertrag eine gemeinsame Vertretung der Firma vereinbart hat. Blöd, oder?

Zu guter Letzt möchte ich noch etwas über die Kosten die soetwas mit sich bringt erzählen. Die Gründung beim Notar kostet einen so mind. 150€, dann kommen noch um die 70€ für das Registergericht (das hängt alles von der Art der Anmeldung, der Länge, etc ab) und um die 50€ für die Gewerbeanmeldung. Danach kommt die IHK mit mind. 150€ Mitgliedsbeitrag. Die Stadt oder Kommune möchte von eurem Gewinn dann noch die Gewerbesteuer, etc. Abschließend will die Bank von eurem Geld noch etwas für die Kontoführung. Am Ende bleiben euch von knapp 2800€ Einnahmen noch 1400€ zum Ende des ersten Geschäftsjahres auf dem Konto.

Alles in allem war der mit der Firma verbundene Stress und die Unrentabilität für mich der Auslöser den Anker zu werfen und volle Kraft zurück zu fahren. Nun bin ich wieder normaler Kleingewerbebesitzer, die Firma wird liquiditiert und ich mache mein Webhosting für Freunde, von denen ich weiß, dass sie mich nicht verklagen werden. im Resümee habe ich jetzt weniger Stress und das Geld reicht um mit seinen Freunden gechillt ein Bierchen zu trinken.

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